netWORKS-Group-News Nr. 3/2016 – 13.12.2016

Inhalt


Sehr geehrte Damen und Herren,

der Forschungsverbund netWORKS 3 "Intelligente wasserwirtschaftliche Systemlösungen in Frankfurt am Main und Hamburg" geht seinem Ende zu. Umso mehr freuen wir uns, Sie mit diesem Newsletter nicht nur über weitere Ergebnisse und Berichte von unseren abschließenden Dialogveranstaltungen in Hamburg und Frankfurt a.M. zu informieren, sondern Sie auch auf das Fortbestehen des Forschungsverbundes in veränderter Zusammensetzung hinzuweisen.

In dem aktuellen netWORKS-Paper "Rechtliche Rahmenbedingungen neuartiger Wasserinfrastrukturen" diskutiert Stefanie Hanke (Difu), wie die Kommune Planung und Betrieb neuartiger Wasserinfrastrukturen koordinieren und steuern kann. Das netWORKS Paper der Kollegen Ott, Wallbrecht und Bieschke (TU Berlin) beschäftigt sich mit der institutionenökonomischen Analyse bei der Umsetzung neuartiger Wasserinfrastrukturen und geht der Frage nach, welche institutionellen Designs für eine mit geringeren Kosten verbundene Umsetzung geeignet sind.

Außerdem freuen wir uns sehr, Sie darüber informieren zu können, dass die Inbetriebnahme der Grauwasserbehandlungs- und Wärmerückgewinnungsanlagen in unserem Frankfurter Umsetzungsprojekt erfolgt ist.

Wir bedanken uns für Ihr Interesse an unserer Arbeit in diesem Jahr, wünschen Ihnen schöne Feiertage und einen guten Start ins neue Jahr 2017! Einen kleinen Ausblick, was netWORKS dann erwartet, erhalten Sie ebenfalls in diesem Newsletter.

 

Für den Forschungsverbund netWORKS
mit freundlichen Grüßen
Martina Winker


netWORKS-Dialogveranstaltungen in Hamburg und Frankfurt am Main: wassersensible Stadtentwicklung ist ein wichtiges Zukunftsthema

Wie die bisherigen netWORKS 3-Publikationen zeigen, gibt es Lösungen für eine wassersensible Stadtentwicklung, die zugleich Anreize für eine sparsame Energieverwendung und ein verändertes Stoffstrommanagement schaffen. Diese Konzepte konzentrieren sich auf Systemlösungen, die sich gezielt mit stadtplanerischen Bauvorhaben verbinden lassen, wie es aktuell im Projekt durch die ABG FRANKFURT HOLDING realisiert wird.

Wie diese Ansätze zu beurteilen sind, wurde in zwei Dialogveranstaltungen in Hamburg und Frankfurt am Main unter Beisein namhafter Vertreterinnen und Vertreter der Praxispartner intensiv diskutiert. Konstatiert wurde, dass es für eine wassersensible Stadtentwicklung noch erheblicher Anstrengungen bedarf. Stadtentwicklungsplanung, Umweltdezernate, Siedlungswasserwirtschaft und Wohnungswirtschaft sollten dabei eng zusammen wirken und gemeinsame Planungskonzepte entwickeln. Es besteht Bedarf an gemeinsamen Datenpools und Planwerken zu Extremwetterereignissen und sowie Regenwasserrückhaltepotenzialen. Neuartige Wasserinfrastrukturen mit Betriebs- und Grauwassernutzung können helfen, bei vermehrt auftretenden Trockenzeiten absehbare Engpässe in der Wasserversorgung zu mildern und Retentionsräume im bebauten Raum können Überlastungen von Kanälen verhindern helfen.

Für die Umsetzung einer wassersensiblen Stadtentwicklung bedarf es des verstärkten Austauschs über sinnvolle technische Lösungen für unterschiedliche Quartiere. Zudem gilt es, die Nutzungskonkurrenz zwischen Klimaanpassungsmaßnahmen und weiterer städtebaulicher Verdichtung anzugehen. In beiden Veranstaltungen bestand daher Einvernehmen, dass der Dialog zum Thema fortgesetzt werden sollte.

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Anlagen in Betrieb: Umsetzung in der Salvador-Allende-Straße läuft

Im Oktober gingen die Anlagen zur Wärmerückgewinnung und Grauwasseraufbereitung in Betrieb, nachdem eine ausreichende Grundmenge an Abwasser produziert wurde. Zum Oktober war eine zufriedenstellende Anzahl an Wohnungen vermietet, auch hatte die Kindertagessstätte ihren Betrieb aufgenommen. Nach einer ersten Einfuhrphase wird seit der dritten Oktoberhälfte das Betriebswasser ins Netz eingespeist und nun zur Toilettenspülung im Gebäude genutzt.

Diese Umsetzung findet unter federführender Verantwortlichkeit der ABG FRANKFURT HOLDING im Frankfurter Stadtteil Bockenheim statt. In einem Passivhausneubau mit 66 Wohnungen und einer Kindertagesstätte werden hier Technologien der Wärmerückgewinnung aus Abwasserströmen als auch der Grauwasserbehandlung und Brauchwassernutzung eingesetzt und erprobt. Die Forschungsanlage wird nun über ein Jahr hinweg mit einem Monitoring begleitet, um wichtige Fragen hinsichtlich Wirtschaftlichkeit und Ökologie zu klären.

Gebäudespezifische Daten und Eindrücke von der aktuellen Anlagentechnik sowie dem Gebäude können Sie hier:

Fotostrecke mit aktuellen Bildern

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netWORKS-Paper zu "Rechtlichen Rahmenbedingungen neuartiger Wasserinfrastrukturen" erschienen

Ausgangspunkt der Untersuchung von Stefanie Hanke (Difu) zu den "Rechtlichen Rahmenbedingungen neuartiger Wasserinfrastrukturen" ist, dass die Kommune (inklusive ihrer kommunalen Unternehmen) als Trägerin der Daseinsvorsorge den örtlichen Gemeinwohlbelangen verpflichtet ist. Vor diesem Hintergrund sollte die Kommune eine steuernde und koordinierende Funktion beim Implementieren neuartiger Wasserinfrastrukturen innehaben.

Dementsprechend wurde der Frage nachgegangen, inwiefern die Kommune Planung und Betrieb verschiedener neuartiger Wasserinfrastrukturen, untersucht wurden die technischen Module Schwarzwasserbehandlung, Grauwasserbehandlung und Wärmerückgewinnung, koordinieren und steuern kann. Auch Auskunftsansprüche – von Privaten und der Kommune – wurden untersucht, weil das Einholen von Auskünften in vielen Fällen Voraussetzung für die Einführung neuartiger siedlungswasserwirtschaftlicher Systemlösungen ist. Aus der Untersuchung ergeben sich Schlussfolgerungen, die auch die wechselseitigen Abhängigkeiten zwischen öffentlicher und privater Infrastruktur adressieren:

  • Semizentrale Anlagen im Wasserrecht: Nach § 55 Abs. 1 S. 2 WHG kann dem Wohl der Allgemeinheit auch durch die Beseitigung von häuslichem Abwasser durch de- bzw. semizentrale Anlagen entsprochen werden.
  • Steuerung durch Vertrag: Verträge sind derzeit die empfehlenswertesten und rechtssichersten Instrumente zur Realisierung der im Rahmen der Untersuchung erfassten Module neuartiger Wasserinfrastrukturen.
  • Steuerung durch Planung: Die untersuchten technischen Module können je nach Schwerpunkt sowohl in Abwasserbeseitigungskonzepten, Wasserversorgungskonzepten und/oder Energieversorgungskonzepten als auch durch verschiedene Festsetzungen im Bebauungsplan aufgenommen werden.
  • Steuerung durch Anschluss- und Benutzungszwang: Auch eine Steuerung durch den Anschluss- und Benutzungszwang erscheint rechtlich grundsätzlich nicht ausgeschlossen.

Hanke, Stefanie: Rechtliche Rahmenbedingungen neuartiger Wasserinfrastrukturen. Zu den rechtlichen Möglichkeiten und Grenzen der Einführung von Grauwasserrecycling, Schwarzwasserbehandlung sowie Wärmerückgewinnung. Berlin 2016, 94 S., (netWORKS-Papers Nr. 31)

Download (PDF, 3,92 MB)

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netWORKS-Papers zu "Institutionenökonomische Analyse der Umsetzung neuartiger Wasserinfrastrukturen" erschienen

Ein weiteres aktuelles netWORKS-Paper beschäftigt sich mit der institutionenökonomischen Analyse im Zusammenhang mit der Umsetzung neuartiger Wasserinfrastrukturen. Die Kollegen Ralf Ott, Anna Wallbrecht und Nils Bieschke von der TU Berlin gehen der Frage nach, welche institutionellen Designs für eine mit geringeren Kosten verbundene Umsetzung geeignet sind. Dabei wird berücksichtigt, dass sich die Aufgaben und Rollen durch neuartige Infrastrukturen im Vergleich zu konventionellen Wasserinfrastrukturen verändern können.

Das Paper geht dabei zunächst auf die technischen Systeme der neuartigen Wasserinfrastruktursysteme unter Berücksichtigung der bisherigen Wasserinfrastruktur ein und arbeitet heraus, welche neuen Aufgabenfelder bzw. Rollen existieren und welche institutionelle Ausgestaltung eine effiziente Koordination der Rollen gewährleisten kann. Die Ausführungen in diesem Paper zeigen, dass für eine kostengünstige Einführung von neuartigen Wasserinfrastrukturen gewisse institutionelle Regeln vorzusehen sind. Die Umsetzung der verschiedenen Systemvarianten kann dann sowohl Vorteile hinsichtlich der Erreichung von Umweltzielen, eine Flexibilitätserhöhung sowie – zumindest langfristig – Kostensenkungen für Konsumenten herbeiführen.

Aufgrund der vielen lokalen Gegebenheiten eines Wasserinfrastruktursystems – insbesondere unter Berücksichtigung von Pfadabhängigkeiten – sowie den Unsicherheiten über die Vorteilhaftigkeit der verschiedenen Systemvarianten scheint eine gewisse Rationalität dafür zu bestehen, Entscheidungskompetenzen über das zu implementierende System der Kommune bzw. per Delegation dem Abwasserentsorger zuzuordnen. Dies gilt umso mehr unter der Annahme, wenn die Kommune als Ziel die Senkung von Kosten aus Konsumentenperspektive hat und über das lokale Wissen verfügt, was bei räumlich differenzierten Wasserinfrastrukturen von besonderer Bedeutung ist. Durch eine Zuordnung der Systementscheidung an einen bestimmten Akteur könnte auch ein "Herausbrechen" von Teilbereichen aus dem System der (kommunalen) Wasserinfrastruktur vermieden werden.

Die Zuordnung an einen Akteur mit lokalem Wissen ist umso bedeutender, als dass sich durch die Differenzierung von Stoffströmen sowie der Hebung von Potenzialen in der Wärmerückgewinnung eine Vielzahl von technischen Interdependenzen ergibt, welche effizient koordiniert werden sollten. Eine solche optimierte Koordination kann auch die Sektorenkopplung verschiedener Systeme (hier Wasser und Wärme) beinhalten.

Ralf Ott, Anna Wallbrecht, Nils Bieschke: Institutionenökonomische Analyse der Umsetzung neuartiger Wasserinfrastrukturen. Berlin 2016, 80 S., (netWORKS-Papers Nr. 33)

Download (PDF, 4,73 MB)

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Weitere netWORKS-Veröffentlichungen

  • Martina Winker in Kooperation mit Jens Libbe, Engelbert Schramm, Jan Trapp (2016): Fächerübergreifende Zusammenarbeit und neue Akteurssettings zur Gestaltung städtischer Infrastruktur, DWA Bundestagung 2016, Bonn.
    Download (pdf, 494 kB).
  • Martina Winker, Jan Trapp, Jörg Felmeden, Jens Libbe und Engelbert Schramm (2016): Transformation der Wasserinfrastruktur organisieren, Transforming Cities 4, 2016.
    Fokus: Was ist bei einer Transformation der Wasserinfrastruktur zu beachten? In ihrem Aufsatz gehen die Autoren auf die Identifikation geeigneter Transformationsräume, die zeitliche Dynamik, Akteure und Institutionen im Transformationsmanagement ein.
  • Jens Libbe und Jan Trapp (2016): Neuartige Wasserinfrastrukturen bieten Optionen für unternehmerische Strategien in der Siedlungswasserwirtschaft, Zeitschrift Kommunalwirtschaft (Heft 9, 2016).
  • netWORKS 3 ist in der Dokumentation des Deutschen Städte- und Gemeindebundes vertreten: DStGB, Dokumentation Nr. 139, Berlin, Oktober 2016. Unter dem Titel "Wasser, Abwasser, Energie – Übergreifende Lösungen und Modellvorhaben zur Integration der Infrastrukturen" werden auswählte Ergebnisse und Erkenntnisse aus der BMBF-Fördermaßnahme INIS präsentiert.
    Download (pdf, 3,1 MB)
  • Martina Winker (2016): Betriebswasser – eine neue Ressource für die häusliche Versorgung. Warum ein bewusster Umgang mit Wasser trotz Wasserreichtums sinnvoll ist und welche Wege dahin führen. Inside out, Magazin der Hessenwasser GmbH.
    Download (pdf, 2,8 MB)

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Ausblick

Arbeiten an den Abschlusspublikationen

netWORKS 3 arbeitet seine Ergebnisse in einer umfangreichen Abschlusspublikation auf. Diese richtet sich an die Wissenschaft und interessierte Praxis. Zusätzlich publiziert netWORKS kurze Broschüren, die sich mit ihren Inhalten spezifisch an die Stadtentwicklung/-planung, Infrastrukturunternehmen und regionale Akteure richten.

Wir werden Sie über die Veröffentlichung dieser Publikationen des Forschungsverbundes netWORKS 3 in einem weiteren Newsletter informieren.

Staffelübergabe von netWORKS 3 auf netWORKS 4

Dem Forschungsverbund netWORKS ist es gelungen, unmittelbar im Anschluss an netWORKS 3 Mittel für ein neues Vorhaben zu akquirieren. Gefördert mit Mitteln der Fördermaßnahme "Nachhaltige Transformation urbaner Räume" vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Förderschwerpunkt Sozial-ökologischen Forschung (SÖF) nimmt netWORKS 4 unter dem Titel "Resilient networks: Beiträge von städtischen Versorgungssystemen zur Klimagerechtigkeit" Kopplungsmöglichkeiten von grauen, grünen und blauen Infrastrukturen in den Blick. Ziel von netWORKS 4 ist es, Dialogprozesse über die zukunftsfähige Ausgestaltung der Wasserinfrastrukturen in Städten anzustoßen. Im Austausch mit kommunalen/städtischen Entscheidungsträgern in Berlin und Norderstedt werden im Rahmen eines Transformationsmanagements für spezifische urbane Transformationsräume konkrete Umsetzungsmaßnahmen entworfen und weiterentwickelt. Dabei – und darüber freuen wir uns ganz besonders – wird das neue Vorhaben durch KollegInnen und deren Ergebnisse aus dem zeitgleich mit netWORKS 3 abgeschlossenen Vorhaben KURAS: Konzepte für urbane Regenwasserbewirtschaftung" bereichert.

Im kommenden netWORKS-Newsletter werden wir Sie detailliert über netWORKS 4: Resilient networks: Beiträge von städtischen Versorgungssystemen zur Klimagerechtigkeit informieren.

 

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Allgemeiner Hinweis

netWORKS 3 wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) innerhalb der Fördermaßnahme "Intelligente und multifunktionelle Infrastruktursysteme für eine zukunftsfähige Wasserversorgung und Abwasserentsorgung" (INIS) im Förderschwerpunkt "Nachhaltiges Wassermanagement" (NaWaM) gefördert. Diese wiederum sind Bestandteil des BMBF-Programms "Forschung für nachhaltige Entwicklungen", kurz FONA, (http://www.fona.de). Zuvor wurde der Forschungsverbund "netWORKS" vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Förderschwerpunkts "Sozial-ökologische Forschung" gefördert.

Die bisherige Arbeit des Forschungsverbunds netWORKS ist im Internet unter http://www.networks-group.de/ dokumentiert.

Kontakt netWORKS 3:
Dr. Martina Winker
ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung GmbH
Hamburger Allee 45 60486 Frankfurt
Tel.: 069/7076919-53
E-Mail: winker@isoe.de

netWORKS-Kontakt am Difu:
Jens Libbe
Deutsches Institut für Urbanistik
Zimmerstraße 13-15, 10969 Berlin
Tel.: +49 (0)30/39001-115, Fax: +49 (0)30/39001-241
Email: networks@networks-group.de


Impressum

Forschungsverbund netWorks
http://www.networks-group.de
Deutsches Institut für Urbanistik gGmbH
Zimmerstraße 13-15
10969 Berlin

Sitz Berlin, AG Charlottenburg,
HRB 114959 B
Geschäftsführer: Prof. Dipl.-Ing. Martin zur Nedden, Dr. Busso Grabow


Sie erhalten die netWORKSGroup-News in unregelmäßigen Abständen. Wir bedanken uns für Ihr Interesse an unserer Arbeit. Wenn Sie sich von dieser Mailingliste abmelden möchten, verwenden Sie bitte das Internet-Formular unter http://www.networks-group.de/service/newsletter.html. Gerne können Sie auch eine kurze E-Mail senden, in der Sie mitteilen, dass Sie die NetworksGroup-News fortan nicht mehr erhalten möchten. Bitte wenden Sie sich an Christine Grabarse grabarse@difu.de Wir werden Sie umgehend von der Mailingliste streichen.

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